April
22
2008
21:53
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In der Landschaftsfotografie kämpfen viele Fotografen mit schwer zu erreichenden riesigen Schärfentiefen. Die gesamte Szene muss scharf sein, nicht nur der Vorder‑ oder Hintergrund.

Bei schummrigem Licht oder aber actionreichen Situationen reicht die Geschwindigkeit des AutoFocus nicht immer aus. Traumhafte Momente gehen verloren.

2 große Probleme – 1 simple Lösung: Die Hyperfokaldistanz.

Stellt man den manuellen Fokus der Kamera auf die Hyperfokaldistanz ein, so wird alles von der halben Fokusdistanz bis hin zu Unendlich scharf abgebildet!

 

Die Hyperfokaldistanz

Der Schärfentiefebereich wird im Wesentlichen von 3 Parametern bestimmt. Der Brennweite, der Blende und dem Motivabstand. Abhängig von diesen Parametern gibt es jedoch genau eine Fokusentfernung, die den Schärfentiefebereich maximiert, so dass sich die Schärfentiefe von der Hälfte dieser Fokusentfernung bis hin zu Unendlich erstreckt.

Hyperfokaldistanz

Diese Fokusentfernung nennt sich Hyperfokaldistanz, ist vom Zerstreuungskreis der Kamera und der verwendeten Brennweite und Blende abhängig und berechnet sich wie folgt.

Hyperfokaldistanz [m] = 1⁄1000 * (((Brennweite [mm])² /Blende * Zerstreuungskreis [mm]) + Brennweite [mm])

Der Zerstreuungskreis gibt an, ab wann ein Punkt nicht mehr als scharf wahrgenommen wird. Für Kleinbild beträgt der Zerstreuungskreis in etwa 0,03mm. Für andere Kameras gibt es entsprechende Tabellen oder aber folgende Formel.

Zerstreuungskreis [mm] = 0,03/Crop-Faktor

Man muss aber nicht unbedingt mit dem Taschenrechner durch die Gegend laufen, um die Hyperfokaldistanz bestimmen zu können. Dafür gibt es im Internet diverse Rechner, die es erlauben, für eine Kamera-Objektiv-Kombination eine Tabelle der Hyperfokaldistanzen für die verschiedenen Brennweiten und Blenden zu erstellen. Verstaut man eine Druckversion der benötigten Tabellen im Foto-Rucksack, kann man jederzeit schnell die für die Situation benötigte Hyperfokaldistanz ablesen und am Objektiv einstellen.

Doch es geht natürlich noch praktischer. Wer über einen PDA, ein SmartPhone oder aber ein java-fähiges Handy verfügt, kann sich kostenlose Rechner darauf installieren und ist somit unterwegs absolut flexibel. Das lästige Papiergeblättere entfällt dann natürlich auch.

Während die Hyperfokaldistanz in der Theorie natürlich sehr banal ist, zeigen sich in der Praxis einige Hürden, die den Einsatz erschweren.

Denn so einfach nun die Hyperfokaldistanz auch bestimmt werden kann, so einfach kann sie nicht immer am Objektiv eingestellt werden. Da die AutoFocus-Systeme der Objektivhersteller immer besser werden, verdrängen sie natürlich den Bedarf der Fotografen nach manueller Fokussierung. Das führt dazu, dass bei vielen Objektiven die Entfernungsskala für den manuellen Fokus weggefallen ist. Ohne eine solche Skala ist es natürlich unmöglich, einigermaßen präzise die Hyperfokaldistanz einstellen zu können. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft weiterhin Objektive mit Entfernungsskala hergestellt werden, da sie noch immer ihre Daseinsberechtigung hat.

Hat man nun aber ein Objektiv das über eine Fokusskala verfügt, kommen auch schon die nächsten Probleme. Die Hyperfokaldistanz wird bei gewissen Parametern sehr große Werte einnehmen, so dass eine Fokussierung auf diesen praktisch unmöglich ist. So haben bspw. Brennweiten im Telebereich oder aber große Offenblenden sehr große Hyperfokaldistanzen zur Folge. Die Verwendung der Hyperfokaldistanz ist also erst bei weitwinkligen Objektiven und mittleren bis kleinen Blenden sinnvoll. Glücklicherweise passt genau diese Kombination zum Einsatzzweck der Landschaftsfotografie, in der man üblicherweise mit stark geschlossenen Blenden und weitwinkligen Objektiven für große Blickwinkel arbeitet.

In der Praxis ergibt sich aber noch eine weitere Problematik. Was ist, wenn die Entfernungsskala zwar vorhanden, jedoch sehr grob skaliert ist? Nicht selten rutscht man in den Skalen schnell von einer Einstellung im geringen Meterbereich zur Einstellung für den unendlichen Fokus. Dort eine Hyperfokaldistanz von 3,724m einzustellen scheint schiere Schätzarbeit. Und das ist sie auch, aber wie so üblich muss es in der Praxis nicht ganz so mathematisch wie in der Theorie vorangehen. Schätzen ist also in Ordnung, sofern man eins beachtet: lieber eine zu weit entfernte Fokussierung wählen, als eine zu nahe.

Der Grund dafür ist ganz einfach. Alles was über die Hyperfokaldistanz hinausgeht, verschiebt lediglich die vordere Fokusgrenze (1⁄2 Hyperfokaldistanz), nicht aber die hintere (unendlich). Fokusentfernungen VOR der Hyperfokaldistanz hingegen, verschieben auch die hintere Fokusgrenze, so dass u.U. weit entfernte Objekte nicht mehr scharf abgebildet werden. Zusätzlich kann man natürlich auch etwas stärker abblenden, um auf der sicheren Seite zu bleiben.

Damit wäre das erste Problem gelöst, doch was ist mit dem langsamen Fokus bei schummrigem Umgebungslicht?

Auch das Problem ist durch die Verwendung der Hyperfokaldistanz bereits gelöst. Ist die Kamera fest auf die Hyperfokaldistanz eingestellt, mutiert sie zur reinen Schnappschnusskamera. Ohne Verzögerung durch den lästigen AutoFocus lassen sich also unvergessene Momente auf Parties oder aber von Sportevents ablichten. Da auf Parties jedoch die hintere Schärfegrenze nicht zwingend bei Unendlich liegen muss, kann man sich mit dem o.g. Hyperfokaldistanzrechner auch problemlos jene Fokusdistanz bestimmen, bei der sich die Schärfentiefe über einen praxisnahen Bereich ausbreitet. Eine Nahdistanz von 0,5m und eine Ferndistanz von 5m sollte hierbei oft schon genügen.

Richtig praktisch wird die Sache natürlich dann, wenn man über eine Kompaktkamera mit Fokusspeicher verfügt. Die (Party‑)Hyperfokaldistanz in den Fokusspeicher gefüttert, ist man damit blitzschnell für die nächste Party gerüstet.

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