Januar
4
2009
13:10
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Anaglyph

Vor einigen Tagen habe ich die 3D-Fotografie erneut für mich entdeckt. Während ich im letzten Jahr sehr ernüchternde Erfahrungen mit Anaglyphen und wundervoll hässlichen rot-cyan Brillen gemacht habe, sind mir nun wunderschöne und farbechte 3D-Bilder mit enormer Tiefenwirkung vor die Augen gekommen.

Die Betrachtungstechnik dafür basiert nun nicht mehr auf dem farbverfälschenden Anaglyphe-Verfahren, sondern auf der Kreuzblick-Methode, die zwar etwas Übung erfordert, dafür aber überzeugende Ergebnisse liefert!

Was muss ich tun, um die Bilder sehen zu können?

Zunächst einmal sollte man wissen, dass es diverse Präsentationsarten für Stereo-Bilder gibt. Die älteste und bekannteste Methode ist sicher das Anaglyphe-Verfahren, das in den 90ern einen starken Hype auslöste. Die beiden (Halb‑)Bilder werden mit Komplementärfarben eingefärbt und danach übereinander gelegt. Betrachtet wird das Bild mit einer entsprechend eingefärbten Brille, die jedes Auge je ein Bild sehen lässt. Typisch sind rot-grün oder rot-cyan als Komplementärfarbenpaar. Nachteilig ist die sehr geringe Qualität des entstehenden 3D-Bildes, da die Farbwiedergabe deutlich verfälscht ist und zudem weniger Tiefeneindruck entsteht.

Eine deutlich bessere Qualität liefern nebeneinander angeordnete (Halb‑)Bilder, die mittels entsprechender Blicktechnik dann ein virtuelles 3D-Bild beim Betrachter erzeugen. Die Farben bleiben vollkommen erhalten und der Tiefeneindruck ist enorm.

Beim Kreuzblick werden die Augen etwas gekreuzt, so dass das rechte Auge allein das linke (Halb‑)Bild und das linke Auge allein das rechte (Halb‑)Bild sieht. Durch leichtes Schielen fangen die beiden Halbbilder an zu verschwimmen und zwischen ihnen entsteht ein drittes Bild. Dieses Bild muss nun fokussiert werden,  was zunächst einiger Übung bedarf. Nach gewisser Zeit hat man dem Gehirn jedoch antrainiert, dass es normal ist, die beiden äußeren Bilder verschwommen zu sehen und auf das entstandene innere Bild zu fokussieren. Durch die starke Anstrengung wird der Augenmuskel etwas stärker als üblich beansprucht, so dass die Augen nach längerer Anwendung des Kreuzblicks schnell ermüden und Kopfschmerzen auftreten können.

Beim Parallelblick wird ein Punkt hinter (!) dem Bild anfokussiert, so dass letztendlich je ein Auge je ein einzelnes (Halb‑)Bild sieht. Es ist relativ schwer, den Fokussiermuskel des Auges hinter die Betrachtungsebene zu fokussieren, da unser Auge stets ein Objekt auf der Betrachungsebene fokussieren will. So bedarf es einiger Übung, diese Technik zu beherrschen. Die Vorteile liegen aber auf der Hand: die Augenmuskeln sind im Gegensatz zum Kreuzblick sehr entspannt und das entstandene 3D-Bild wird zudem größer wahrgenommen, da nicht so nah fokussiert wird.

Ich habe mich bereits im letzten Jahr verstärkt mit dem Anaglypheverfahren auseinandergesetzt, aber es macht wirklich keinen großen Spaß, Fotos mit einer ungeheuer hässlichen Brille zu betrachten, deren Farbqualität zudem unterirdisch ist. Leider war mir der Kreuz‑ und Parallelblick bis vor Kurzem noch vergönnt, da ich es einfach nicht schaffte, damit ein 3D-Bild zu sehen. Vor ein paar Tagen kam ich jedoch in den Genuss einer wirklich guten Anleitung für den Kreuzblick, so dass ich es endlich hinbekomme, binnen 1 Sekunde ein Kreuzblick-Bild sehen zu können.

Vielleicht bekomme ich in Zukunft auch den Parallelblick hin, die Vorteile sind einfach zu gut. Leider gibt es noch zu wenig Bildmaterial für den Parallelblick und auch für eigens erstellte Parallelblick-Bilder dürfte die Zahl der Betrachter zu gering sein. Ich werde in Zukunft natürlich auch versuchen, eigene 3D-Bilder zu erstellen, die Technik dafür ist nämlich wirklich einfach. Genaueres dazu kommt dann bald in einem eigenen Artikel, sei also gespannt!

Jetzt gib‘ mir endlich etwas zum testen!

Jetzt ist endlich Zeit für Beispiele! Auf Flickr gibt es einige gute Gruppen, die wirklich tolle Exemplare im Pool haben. Folgende (Kreuzblick‑)Bilder haben mich umgehauen und deshalb teile ich sie jetzt mit Dir… Viel Spaß beim Betrachten!

Beispiele von turbguy

Beispiele von balliolman

diverse Beispiele

« Neues Jahr, neue Messen
 
Januar
7
2009
09:26

Timo

Ein großer Fan dieser Stereoskopie ist übrigens Brian May. In seiner „Soapbox“ (Blog) auf brianmay.com tauchen immer wieder solche Bilder auf (auch von ihm selbst geschossen). Allerdings kann von „entspanntem Betrachten“ imho kaum die Rede sein, wenn der Bildabstand (bzw. der Abstand von übereinstimmenden Objekten auf dem Bild) größer als der Augenabstand ist. Da müsste man schon nach aussen schielen können. Wer es nicht hinbekommt, muss entweder die Bilder verkleinern oder das rechte mit dem linken (Bild, nicht Auge!) vertauschen und den Kreuzblick anwenden.

Januar
8
2009
17:07

Na das ist ja interessant! Leider sind die Bilder von Brian May eher nicht so gut zu betrachten (schlecht gewählter Abstand oder aber schlecht zusammengesetzt).

Was meine angeführten Beispiele betrifft, habe ich allerdings keinerlei Probleme. Die lassen sich wunderbar kopfschmerzfrei betrachten und sind wirklich gut zusammengesetzt worden.

Januar
12
2009
01:59

Irgendwie scheine ich nicht dafür zu taugen, solche 3D Bilder zu erkennen. Die Anleitung ist zwar gut geschrieben bei Neil..aber ich krieg den Fokus am Ende nicht hin.
Interessant war Dein Artikel allemal!

Januar
25
2009
00:47

Piby

Hm. Ich wusste gar nicht, dass es 2 techniken gibt. ich habe es mit allen gleich versucht: Parallelblick. Den Kreuzblick habe ich jetzt erst kennengelernt. Ich finde den Parallelblick aber deutlich einfacher und ich glaube, dass das nicht nur daher kommt, dass ich ihn länger kenne. Ein normaler Mensch braucht doch eine Weile, um die Augen zu verdrehen, oder?! Also ich verdopple einfach per Parallelblick die Bilder übereinander und dann erscheint das 3D-Bild schon. Aber der Kreuzblick hat sich nun auch in 1–2min gelernt. 🙂

Februar
3
2009
00:57

Hi, ich bin über dein geniales Programm Trekbuddy zu deiner Seite gekommen …, und lese jetzt, daß du auch die Kreuzblick-Tereophotographie für dich entdeckt hast!

Habe früher mit 2 Projektoren, Polfolien und metallischer Leinwand gearbeitet, jetzt mache ich auf meiner Homepage aber auch die Kreuzblickmethode: http://www.jaggger.de/bilder/iberia_08⁄096_catedral_innenraum_granada.jpg in meinem aktuellen Reisebericht http://www.jaggger.de/reisen/iberia_08.html#anleitung

Aber vielen Dank noch mal für gm2tb!!!!

jagger

Februar
3
2009
01:14

Vielen Dank Jagger, das hört man doch wirklich gerne!

Ich muss aber leider gestehen, dass ich mit Deinem Stereobild nichts anfangen kann. Durch die vielen stürzenden Linien und den fehlenden Rahmen (der die störfreie Ansicht erheblich verbessern würde) ist es mir auch nach mehreren Minuten nicht gelungen das Stereobild sehen zu können. Für mich hat es auch den Anschein, als wäre es kein richtiges Kreuzblick-Bild, denn das Geisterbild sieht einfach komisch aus (schon bevor ich es überhaupt fixieren kann). Vielleicht sind die Bilder nicht gut genug ausgerichtet oder handelt es sich vielleicht um ein Parallelblick-Bild?

September
30
2009
10:18

Oh, vielen Dank für das Kreuzblick-Tutorial… ich hab es bisher nie geschafft das Bild beim Kreuzblick scharf zu sehen!

November
5
2009
20:24
Dezember
2
2009
12:45

Wow! Das klingt super interessant! Das war mir bisher gar nicht bewusst! Vielen Dank für den Artikel und die Erklärungen!

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