März
16
2008
10:39
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Vince Ebert – Denken lohnt sich

Mein Freitag war etwas stressig. Ich hatte zu Weihnachten Karten für Vince Ebert geschenkt bekommen und der Termin lag leider genau auf dem letzten Tag meiner 3-tägigen Musikmesse-Odyssey. Entsprechend gerädert sah ich mich pünktlich nach Messeende 18Uhr in die S-Bahn steigend, nicht wissend, ob ich beim Programm des "lustigsten Physiker Deutschlands" wach bleiben würde.

Nebenbei bemerkt: ich bin wach geblieben. Und das war auch kein Wunder, das neue Programm "Denken lohnt sich" ist wirklich gelungen und keine schlechte Fortführung des Erstlingswerks "Urknaller – Physik ist sexy!". Während Ebert sich in seinem ersten Programm nur auf Physik konzentrierte und dem Publikum auf intelligent witzige Art die Wissenschaft näher brachte, befasst er sich in seinem neuen Programm mit der Frage, ob es sich in heutigen Zeiten überhaupt noch lohnt mitzudenken. Die Wissenschaft bleibt dabei keineswegs auf der Strecke und auch die geistreichen Gags und die Situationskomik sind geblieben, also genau das, was Vince Ebert von vielen populären Comedians absetzt.

Versteht mich nicht falsch, auch ich mag Comedians wie Mario Barth, Atze Schröder oder Michael Mittermeier, aber durch ihre Popularität ist ihnen leider eines vergangen: die Alltagskomik. Selten gibt es noch Comedians, die es verstehen, aus der Situation heraus lustig zu sein. Man merkt richtig, wie sie auf gewisse Schlüsselreize mit voller Wucht aus dem Inventar der vorgeschriebenen Gags greifen. Das fällt solange nicht auf, bis man die komplette Show 10x im TV gesehen hat und genau hier liegt mein Kritikpunkt: Comedians die oft gezeigt werden und ihre Gags geschrieben bekommen (also per se nicht zwangsläufig situationskomisch sind), werden einfach unlustig. Ich will mir nicht zum 200. Mal anhören, was Mario Barth mit seiner Freundin erlebt hat, ich kenne die Nussloch-Stories und sie waren gut, aber es reicht auch mal. Wenn man oft auftritt und nicht situationskomisch ist, sollte man eben wesentlich öfter an Programmen arbeiten und nicht ein Programm 2 Jahre lang durch die Medien breit treten.

Ok, genug der Schelte… Eine Änderung in Eberts Programm wird direkt auf den Plakaten bemerkt werden. Der Mann wirkt seriöser und hat mit dem Bild des witzemachenden Physikstudium-Absolventen gebrochen. Weg mit den zotteligen langen Haaren und pastellfarbenen Hemden und Sakkos. Her mit stilvollem schwarzen Anzug, kultiger Brille und moderner Kurzhaarfrisur. Aber keine Angst, er ist keineswegs abgehoben, sein Witz bleibt bodenständig und in den Pausen läuft er auch immer noch zwischen den Besuchern herum und trinkt etwas an der Bar.

Vince Ebert – Denken lohnt sichIm neuen Programm befasst sich Ebert – wie bereits erwähnt – mit der Frage, ob sich Denken in der heutigen Zeit überhaupt noch lohnt und trifft damit bei mir einen wunden Kern. Mich regt die Verdummung der Gesellschaft schon seit geraumer Zeit auf. Egal in welche Bereiche man schaut, irgendwo trifft man immer auf Leute, bei denen man sich die Frage stellt: wie ist DER bitteschön in diese Position gekommen? Dabei ist es egal, ob man sich in der Politik, der Wirtschaft oder im eigenen Verein umschaut (vom Fernsehen übrigens ganz zu schweigen, aber das ist ja das übliche Paradebeispiel). Dumme Leute scheint es überall zu geben und Erfolg und Dummheit scheinen keine sich auszuschließenden Begriffe zu sein. Umso mehr hat mich die Gegenüberstellung von "Denken" vs "Nicht-Denken" im Programm erfreut. Man kann gespannt sein, welche Seite gewinnt!

Alles in Allem ein sehr gutes Unterhaltungsprogramm, das man sich anschauen sollte, wenn man geistreiche Witze und unterhaltsames Lernen mag. Ich habe wieder ein paar interessante Dinge gelernt und mich köstlich amüsiert, das wird auch nicht von den 2–3 wiederholten Gags in der Zugabe kaputt gemacht. Die CD zum neuen Programm ist leider noch nicht veröffentlicht, aber ein absoluter Kauftipp.

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