April
24
2008
23:11
Kategorie:
Post Meta:

Als Wegbereiter für die elektronische Bildbearbeitung gibt es die Maus nun schon seit Mitte der 80er Jahre. Entwickelt wurde das ursprünglich als „X-Y-Positions-Anzeiger für ein Bildschirmsystem“ bezeichnete Eingabegerät sogar bereits Ende 1968. Die Computermaus ist also schon ein recht alter Hase und birgt so ihre Nachteile für die moderne Bildbearbeitung. Sie ist ungenau, erfordert eine ungewohnte Hand-Augen-Koordination und die Benutzung ist einfach weniger intuitiv als das bereits in der Kindheit erlernte Arbeiten mit dem Stift.

So klar der Bedarf an ein stiftähnliches Eingabegerät für Bildbearbeitungs-programme bereits in den Anfangsjahren von Photoshop und Co war, so schnell gab es Lösungen. Bereits Mitte der 80er entwickelte die Firma Wacom Stifttabletts mit kabellosen Zeigergeräten. Eine Innovation im Bereich der Eingabegeräte, wenn man bedenkt, dass zu diesem Zeitpunkt praktisch keine kabellosen Eingabegeräte existierten und somit die Freiheit der Hand stets eingeschränkt war.

Damals waren diese Tabletts noch extrem teuer und wurden demnach hauptsächlich im professionellen Umfeld für CAD oder in der Druckvorstufe eingesetzt. Zwanzig Jahre später haben sich im Segment der Grafiktabletts bereits Preise eingefunden, die selbst für das gelegentliche Zeichnen oder kleine Foto-Retuschen nicht zu teuer sind.

So innovativ Wacom mit den ersten kabellosen Tabletts war, so hochwertig ist auch die Qualität der produzierten Geräte, was sich nicht zuletzt in der Marktführerschaft Wacoms im Segment der Grafiktabletts ausdrückt. Funktionen wie hohe Druckempfindlichkeit, Neigungs‑ und Dreherkennung sowie verschiedene Stifttypen (bspw. Airbrush) sind insbesondere für Profis DAS Kaufargument für ein Grafiktablett von Wacom.

Doch auch im niedrigen Preisbereich hat Wacom etwas gegen die günstige Konkurrenz zu bieten. Während in früheren Generationen die Volito‑ und Graphire-Serien den Einstieg in die Wacom-Stiftwelt erlaubten, bietet Wacom nun mit den Tabletts der Bamboo-Serie preisgünstige und optisch ansprechende Geräte für den ambitionierten Hobby-Fotografen.

Wacom Bamboo Wacom Bamboo

Mit einem Preis von mindestens 70 € ist das Wacom Bamboo zwar noch immer teurer als der altbekannte Nager, die ausgefeilte Technik und die neuen Möglichkeiten hingegen rechtfertigen diesen Preis in vollem Maße. Denn obwohl es sich beim Bamboo um ein Einsteigergerät handelt, erhält der Käufer ein drucksensitives Grafiktablett mit 512 Druckstufen, 4 frei definierbaren Tasten am Tablett, 2 frei definierbaren Tasten am Stift, Radierfunktion durch Verwendung des hinteren Stiftendes und einem Zoom-Ring am Tablett. Die Größe des Tabletts entspricht A6-Wide (92,3mm ⅹ 147,6mm) und reicht für viele Bereiche bereits aus. Insgesamt hat man dadurch genügend Eingriffsmöglichkeiten, um das verwendete Bildbearbeitungsprogramm schnell und umfangreich bedienen zu können und auch genügend Druckstufen, um typische Parameter wie die Dicke und Deckkraft eines Stifts simulieren zu können. Ein Neiguns‑ bzw. Drehsensor ist nicht enthalten, für Fotografen jedoch auch nicht zwingend nötig. Zeichner und Illustratoren haben durch diese Features jedoch große Vorteile, da somit ein Stift annähernd perfekt simuliert wird.

Alle Tasten sind in einem kleinen Radius erreichbar, der Workflow wird also drastisch beschleunigt und man kriegt die Finger kaum vom Tablett. Tastatur und Maus werden in den Hintergrund gedrängt, die Konzentration umso mehr auf die Bearbeitung des vorliegenden Bilds gelegt.

Praxisnahe und zeitsparende Funktionen, die man auf die Stift‑ und Tabletttasten legen kann sind u.a. folgende:

Tabletttasten

  • Undo
  • Redo
  • Pinselgröße erhöhen
  • Pinselgröße erniedrigen
  • Vorder‑ und Hintergrundfarbe wechseln

Stifttasten

  • Hand-Werkzeug (Bildausschnitt verschieben)
  • Color-Picker

Wer das erste Mal mit einem Grafiktablett arbeitet, wird um eine gewisse Einarbeitungszeit nicht umher kommen. Die Hand-Augen-Koordination ist der Maus zwar ähnlich, in bedeutenden Punkten jedoch völlig anders. Das fängt mit der Positionierung an. Das Tablett repräsentiert den kompletten Bildschirm, so dass die Positionierung des Zeigers absolut ist. Links oben auf dem Tablett ist links oben auf dem Bildschirm usw usf. Damit sind viel kürzere Wege als mit einer Maus nötig, was die Geschwindigkeit der Bildbearbeitung drastisch erhöht.

Nach kurzer Einarbeitung in die Handhabung eines Grafiktabletts kommen dann auch recht schnell die ersten Ideen für die Bildbearbeitung. Durch die genaue und vor allem absolute Positionierung sind gute Freistellungspfade und Ebenenmasken kein Glücksspiel mehr. Durch die Drucksensitivität lassen sich in Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop, PaintShop Pro und Konsorten Parameter wie die Druckstärke und Dicke des Pinsels variieren. Dadurch entsteht eine höchst intuitive Art Pfade zu zeichnen. Große Bereiche lassen sich mit starkem Druck großflächig auswählen/zeichnen, wohingegen filigrane Partien langsam und mit geringem Druck genau nachgezeichnet werden können.

Man ist überrascht, wie schnell gewisse Partien eines Portraits selektiert und separat bearbeitet werden können. Auch Vignetten lassen sich jetzt einfach in das Bild hineinmalen oder aber einzelne Partien einer Landschaft vollkommen dynamisch aufhellen oder abdunkeln. Die Bildbearbeitung erhält somit einen viel kreativeren und sehr experimentellen Charakter, wie man ihn am Computer selten hat.

Es lässt sich natürlich nicht verleugnen, dass es sich beim Wacom Bamboo um das Einsteigergerät der Wacom Grafiktabletts handelt, dennoch bekommt man für ein recht schmales Budget einen Einblick in den kreativen Einsatz in der Bildbearbeitung. Die erste Grenze, die mit dem Bamboo erreicht werden dürfte, ist wohl eher die Größe des Tabletts, als die erweiterten Features der „großen“ Wacoms wie Neigungs‑ und Drehsensor oder 1024 Druckstufen. Aber auch hier gilt: das Bamboo kann im Bereich der Fotobearbeitung wirklich ausreichen! Denn selbst wenn das Tablett mit einem Formfaktor von A6-wide nicht wirklich sonderlich groß ist, so reichen in der reinen Fotobearbeitung großflächige Zeichnungen durchaus aus. Wird es filigraner, zoomt man ohnehin in das Bild herein und gleicht somit die geringe Fläche wieder aus. Das gleiche gilt für die erweiterten Sensorfunktionen. Zeichner und Illustratoren werden diese Funktionen sicher schmerzlich vermissen, Fotografen hingegen dürften ihren Workflow und die daraus resultierenden Fotos mit einem flexiblen Mausersatz schon enorm verbessern können.

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass das Wacom Bamboo mit seiner geringen Dicke von 8mm, einem abnehmbaren USB-Anschlusskabel und seinem niedrigem Gewicht ideal auch unterwegs eingesetzt werden kann. Das Bamboo findet eigentlich immer Platz in der Notebooktasche und wird somit zum mobilen Foto-Kompagnon für die schnelle Retusche beim und kurz nach dem Shooting.

« Die Hyperfokaldistanz
Ich bin dann mal weg »
 
April
25
2008
18:20

Was lange währt, wird gut!
Weisst schon wie’s gemeint ist 😉

Juli
7
2008
12:31

Habe auch eine Weile gebraucht mich umzugewöhnen von der Maus, kanns mir mittlerweile schon gar nicht mehr anders vorstellen. Mein Fazit zu diesem Grafiktableau: Spitze!

Schreibe einen Kommentar!