September
13
2008
12:46
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Manche alten Kollegen trifft man doch immer wieder! So geschehen mit dem Bildbetrachter, der mich schon vor einigen Jahren durch zahlreiche Features und unterstützte Bildformate begeistert hat – XnView. Aus einem mir nicht mehr ersichtlichen Grund bin ich mit der Zeit aber dennoch von XnView abgeraten – und habe nun wieder zu ihm zurück gefunden, aus gutem Grund!

Lange Zeit war mir ein Bildbetrachter unwichtig. Seit ich im RAW-Format fotografiere und die exzellenten Verwaltungsmöglichkeiten von Lightroom schätzen gelernt habe, will ich außerhalb Lightrooms eigentlich kaum noch mit den Bildern hantieren. Für den seltenen Einsatz jenseits Lightroom reichte dementsprechend der Windows-eigene Bildbetrachter völlig aus – bis jetzt!

Seit ich meine Monitore mit einem Spyder3Pro kalibriert habe, möchte ich natürlich in jeder Anwendung in den Genuss der Farben kommen, auf die ich meine Fotos getrimmt habe. Leider musste ich feststellen, dass nur sehr wenig Software mit Farbmanagement-Support auf dem Markt existiert und wenn, dann nur halbherzig umgesetzt.

Viele Bildbetrachter lesen zwar das im Bild eingebettete Farbprofil aus und interpretieren es, vergessen dabei den letzten und nicht zu unterschätzenden Schritt: das Monitor-Profil! Windows bietet mit dem ICM eine zentrale Stelle zur Verwaltung von Monitor-Profilen, die Anwendungen nutzen können, um die Ausgabe der Bilder entsprechend diesem Profil anpassen zu können. In vielen Fällen verändert dieser letzte Schritt die Farbausgabe nicht ausschlaggebend, es gibt jedoch auch Ausnahmen.

Der Farbraum der meisten Monitore deckt zum Großteil den SRGB-Farbraum ab, ein Grund, warum SRGB in der Screen-Production so stark verbreitet und meist der gemeinsame Nenner ist. Professionelle Monitore hingegen können deutlich mehr Farben darstellen, ihr Farbraum ist größer als SRGB und reicht meist bis zu AdobeRGB. Bezeichnet wird dies als WideGamut-Monitor.

Die Konsequenz: werden Bilder ohne Farbmanagement auf einem WideGamut-Monitor ausgegeben, wirken diese sehr viel bunter, die Farben sind stärker gesättigt! Das kann mitunter sehr unangenehm aussehen und deshalb ist der Einsatz farbmanagement-fähiger Software an diesen Monitoren dringender nötig, als an anderen Monitoren. Nicht dass mich jemand falsch versteht: WideGamut-Monitore sind kein Fluch. Es ist nur nötiger als zuvor, den kompletten Workflow auf Farbmanagement umzustellen. Hat man diesen dann, kommt man natürlich in den Genuss sehr schöner und realistischer Farben, die ein Nicht-WideGamut-Monitor nie darstellen könnte!

Hier der Vergleich eines meiner Fotos. Links ohne Farbmanagement betrachtet, rechts in XnView mit aktiviertem Farbmanagement.

Soviel zur Theorie. Mein Hauptmonitor ist nun so ein WideGamut-Monitor (Samsung SyncMaster 245T) und insbesondere in Verbindung mit meinem 2. Monitor (ein Nicht-WideGamut-Monitor) macht sich der Effekt zu stark gesättigter Farben deutlich.

Für das gelegentliche Bilder durchstöbern musste also ein entsprechender Bildbetrachter mit ICM-Support her – eine lange Suche, wie sich herausstellte. Die Lösung ist nicht perfekt, aber passabel. XnView hat eine sehr individuelle (und schlecht dokumentierte) Art, Farbmanagement umzusetzen.

So lässt sich im Optionen-Dialog unter „General > Operations“ ein Häkchen, bei „Use ICC Embedded Profile“ setzen, doch das entspricht ja lediglich der Auswertung des im Bild eingebetteten Farbprofils. Das können mittlerweile schon sehr viele Bildbetrachter und das sogar bei annehmbarer Geschwindigkeit. Unter der Checkbox kann jedoch zusätzlich mittels eines Durchsuchen-Dialogs auf ein Monitor-Farbprofil verwiesen werden. Klar wird das eigentlich nur dadurch, dass der Dateifilter im Durchsuchen-Dialog auf *.icm gesetzt ist. Wählt man dort das Farbprofil des Monitors aus, auf dem XnView läuft, hat man Quasi-ICM-Support. Warum nur quasi? Ganz einfach: das Farbmanagement ist nun auf diesen einen Monitor festgelegt. Wird XnView auf einem anderen Monitor ausgeführt, müsste die Einstellung wieder per Hand angepasst werden. Üblicherweise müsste XnView das für den Benutzer übernehmen und prüfen, auf welchem Monitor es läuft, Windows ICM nach dem entsprechenen Farbprofil fragen und das zurückgegebene dann nutzen.

Wie man sieht steckt XnView noch in den Kinderschuhen des Farbmanagement. Es lässt sich aber dennoch weiterhin zügig bedienen, ICM ist also gut implementiert worden. Weitere Vorteile von XnView sind natürlich weiterhin die enorm große Zahl an unterstützten Formaten, das schnelle Thumbnail-Rendering und – für mich das absolute Killer-Argument – die Portabilität. XnView gibt es nämlich auch in einer portablen Version für den USB-Stick. Eine Anforderung die ich an einen ICM-unterstütztenden Bildbetrachter gar nicht gestellt hätte, aber so ist das natürlich sehr fein.

XnView Website

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September
15
2008
08:58

Tobi

Hi, das problem habe ich auch, das die Fotos auf dem Schirm meist besser aussehen, als die Abzüge aus dem Labor. Meinst du das bekomme ich mit Spyder3pro hin?

Gruß
T.

September
15
2008
09:18

Hi Tobi,
ich kann Dir gerne mal als Test Deinen Monitor kalibrieren. Dann siehst Du ja, ob es was bringt. Prinzipiell kann man jeden Monitor kalibrieren, je nach Güte des Geräts (und vor allem des darin verwendeten Panels) kann die Aufbesserung natürlich schwanken.

Ganz wichtig ist: im Print-Bereich gibt es weniger Farben als im Screen-Bereich. Deshalb arbeitet man oft mit sog. Soft-Proofs. Dein Bildbearbeitungsprogramm (leider können das bisher kaum welche) visualisiert Dir dann mittels eines Drucker-Farbprofils (das bekommt man dann vom – guten – Ausbelichter), wie das Bild nach dem Druck aussieht. Damit kann man dann ganz gut arbeiten und ein Bild auch für den Druck optimieren, ohne einen Tropfen Tinte verschwendet zu haben.

Alles in allem dürfte aber bereits die Monitor-Kalibrierung einen Schritt in die richtige Richtung gehen. Bei mir ist es mittlerweile egal, auf welchem meiner kalibrierten Monitore ich die Bilder betrachte, die Farben sehen gleich aus. Farbmanagement-fähige Software vorausgesetzt.

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