Dezember
31
2007
07:30
Kategorie:
Post Meta:

Dies ist nun der vorerst letzte Artikel der Artikelserie „Belichtung meistern“ und behandelt eine weitere Methode zur effizienten und zielgerichteten Belichtung von Fotos.

Im Artikel über die unterschiedlichen Betriebsmodi des Belichtungsmessers wurde unter anderem die Problematik der Messung eines Referenzwertes von 18 % Grau angesprochen. Angemessene Objekte, die einen höheren (niedrigeren) Helligkeitswert als den des Referenzwerts von neutralem Grau haben, verfälschen das Messergebnis und führen zu einer Unterbelichtung (Überbelichtung). Dies muss für eine korrekte Belichtung mit der Belichtungskorrektur der Kamera korrigiert werden.

Eine altbewährte Methode aus der Zeit der analogen Fotografie kann hierbei als effektives und effizientes Werkzeug eingesetzt werden.

Das Zonensystem

Das Zonensystem ist eine Entwicklung von Fotopionier Ansel Adams und diente damals der optimalen Belichtung des Films für den gesamten Workflow des Fotografen. Ansel Adams war es dabei nicht nur wichtig, dass die Dynamik des Films nicht überschritten wurde (denn die ist bei Film im Vergleich zu Sensoren enorm höher), sondern vielmehr, dass bei späterer Ausbelichtung der Fotografien der Dynamikumfang des verwendeten Papiers optimal ausgenutzt oder gar eine bewusste Bildwirkung mittels Kontrastbeeinflussung erreicht wurde.

Adams unterteilte damals den auf Ausbelichtungen darstellbaren Tonwertumfang eines Fotos in 11 Zonen. Praktischerweise beträgt der Belichtungsunterschied zwischen 2 aneinandergrenzenden Zonen genau 1 EV.

Zone 0 Absolutes Schwarz, keine Zeichnung mehr in den Schatten
Zone Ⅰ Schwarz, fast ohne Zeichnung
Zone Ⅱ Schwarz, mit Zeichnung
Zone Ⅲ helles Schwarz
Zone Ⅳ dunkles Grau
Zone Ⅴ 18 % Grau (Normierung des Belichtungsmessers)
Zone Ⅵ helles Grau
Zone Ⅶ dunkles Weiß
Zone Ⅷ Weiß, mit Zeichnung
Zone Ⅸ Weiß, fast ohne Zeichnung
Zone Ⅹ Papierweiß, keine Zeichnung mehr in den Lichtern

Jeder Stufe ist eine gewisse Charakteristik zugeschrieben, so dass Zone 0 absolutem Schwarz und Zone Ⅹ reinem Papierweiß entspricht. Es lassen sich also lediglich Zone Ⅰ bis Zone Ⅸ überhaupt ausbelichten, wohingegen nur Zone Ⅱ bis Zone Ⅷ genügend Zeichnung zur Differenzierung aufweisen.

Das Zonensystem lässt sich ideal für die Spot‑ oder Selektivmessung verwenden, da diese einen genügend kleinen Messbereich nutzen, um einzelne Objekte anmessen zu können. Wie in der Auflistung der Zonen abzulesen ist, befindet sich der Referenzwert für den Belichtungsmesser in Zone Ⅴ. Wurde nun ein Objekt mit einer abweichenden Helligkeit gemessen, kann die nötige Stärke der Belichtungskorrektur annähernd aus der Zonen-Liste abgelesen werden. Handelte es sich bei dem gemessenen Objekt bspw. um ein dunkles, fast schwarzes Objekt, das gerade noch Zeichnung aufweist (oder besser: im Bild aufweisen soll), so müsste man dieses Objekt in Zone Ⅱ verschieben. Da jede Zone einen EV-Schritt entfernt ist und die Belichtung um 3 Zonen zu hell wäre, müsste also eine Belichtungskorrektur von –3 EV zum Ausgleich der Fehlmessung angewendet werden.


Das Zonensystem in der Halbautomatik (Av oder Tv)

In einer Halbautomatik wie Av (Blendenpriorität) oder Tv (Zeitpriorität) muss das Zonensystem bereits VOR der Belichtungsmessung angewendet werden. Die Kamera ist auf Spot‑ oder Selektivmessung gestellt, die nötige Blende oder Zeit ist eingestellt und man hat sich ein Objekt zur Messung entschieden. Ein kurzer Blick in die Zonen-Liste liefert nun die nötige Belichtungskorrektur, die der Kamera vorgegeben werden muss. Danach kann die Belichtung mittels Belichtungsmessungsspeicher (AEL) auf das Objekt gemessen und gespeichert, der Bildausschnitt dem gewünschten Motiv entsprechend ausgerichtet und das Foto gemacht werden.

Hierbei zu beachten ist die Einschränkung der einstellbaren Belichtungskorrektur. Viele Kameras lassen lediglich eine Korrektur im Bereich von ± 2 EV zu. Es wäre also lediglich möglich Objekte von Zone Ⅲ bis Zone Ⅶ zu messen. Der Vorteil in der Halbautomatik ist jedoch, dass dem Belichtungsmesser eine fixierte Belichtungskorrektur eingestellt werden kann. Fotografiert man bspw. mehrmals nacheinander Objekte gleicher Helligkeiten, so kann bei bereits eingestellter Belichtungskorrektur ohne Nachdenken gemessen und ausgelöst werden.


Das Zonensystem im manuellen Modus (Ⅿ)

Im manuellen Modus gibt es keine solche Einschränkung. Auch wenn im manuellen Modus alle Parameter vom Benutzer selbst eingestellt werden müssen, arbeitet der Belichtungsmesser mit und gibt seine Einschätzung der resultierenden Belichtung an den Benutzer weiter. Diese Einschätzung wird auf der Skala der Belichtungskorrektur angezeigt. Die Parameter können also so eingestellt werden, dass der Belichtungsmesser die entsprechende Belichtungskorrektur auf der Skala anzeigt. Bei einem Objekt der Zone Ⅳ würde bei korrekter Parameterwahl eine vom Belichtungsmesser gemessene Unterbelichtung von –1 EV auf der Skala angezeigt werden.

Da die Skala aber ebenfalls nur ± 2 EV umfasst, muss sich eines kleinen Tricks beholfen werden, um auch in Zonen außerhalb davon korrigieren zu können. Da die Parameter in ⅓- oder ½-EV-Schritten verändert werden können, ist es bspw. ein Leichtes ein Objekt in Zone Ⅱ (= Belichtungskorrektur von –3 EV) zu verschieben. Man richtet die Parameter so aus, dass der Belichtungsmesser eine Unterbelichtung von 2 EV anzeigt. Von diesem Punkt ausgehend verringert man die Belichtung um einen weiteren 1 EV-Schritt, indem die Parameter entweder 3x bei ⅓-Schritten oder 2x bei ½-Schritten in Richtung „dunkler“ verschoben werden.


Wissenswertes für den Einsatz in der Praxis

Das Zonensystem ist natürlich nicht der Weisheit letzter Schluss, bietet aber eine einfache Möglichkeit, die Belichtung zu meistern. Wichtig ist es, das Zonensystem an sich zu verstehen, denn die Einteilung der Zonen muss nicht zwingend dem Kontrastbereich der eigenen Kamera gleichen und auch die Einteilung in ganze EV-Schritte ist stellenweise zu ungenau. Das Zonensystem lässt sich aber mittels Erfahrung auf die eigene Kamera adaptieren, so dass mit der Zeit Beziehungen wie „schwarzer Hund = Zone Ⅲ“ oder „weißes Brautkleid = Zone Ⅵ bis Zone Ⅶ“ herausgefunden und verinnerlicht werden können (die genannten Beispiele sind fiktiv…).

Eine weitere wichtige Erkenntnis ist der Fakt, dass Sensoren digitaler Kameras eher Probleme mit Über‑ denn mit Unterbelichtung haben. Aus vermeintlich abgesoffenen (komplett-schwarzen) Bildbereichen lässt sich durch Aufhellung im Postprocessing noch einiges an Detail herausholen. Ausgefressene (rein-weiße) Bereiche hingegen lassen sich nicht mehr zurückholen. Dementsprechend gilt der Vorsatz: expose for the highlights!

Ist der Tonwertumfang des Motivs also größer als der des Sensors, sollte man die Belichtung lieber auf den hellsten Bereich des Motivs mittels einer entsprechend hellen Zone und die Messung auf das hellste Objekt auslegen, da dort sonst garantiert Bildinformationen verloren gingen.

Schlusswort

Ich hoffe, die Artikelserie „Belichtung meistern“ war für den einen oder anderen einigermaßen lehrreich und eventuell konnten auch alte Foto-Hasen noch eine Idee für den eigenen Workflow entwickeln. Mir persönlich war es wichtig, die Parameter in EV-Einheiten zu erklären, statt die (mathematisch äquivalente) Einheit der Blendenschritte zu verwenden. Es ist einfach schwerer in den „krummen“ Intervallen der Blendenreihe oder der Zeitskalierung der Verschlusszeiten zu denken. Zudem ist es oft verwirrend, wenn „die Verschlusszeit um 3 Blenden“ verringert werden soll. Hierbei widersprechen sich scheinbar verschiedene Einheiten (Zeit vs. Blende), was zu Verwirrungen führt. Letztendlich handelt es sich bei EV-Werten einfach um Blendenschritte. Für die Kompatibilität mit anderen Erläuterungen ist dieses Wissen im Abschluss vielleicht hilfreich, vorher hätte sie nur verwirrt.

« Digitale Spiegelreflexkamera – Belichtung meistern (Teil 5)
Ein frohes Neues!!! »
 
Dezember
31
2007
10:07

[…] Teil 6 Belichtung meistern […]

September
2
2008
00:16

Wolfgang

Vielen Dank für das Tutorial „Belichtung meistern“. Die Information, dass die senkrechten Linien im Kamera-Histogramm um jeweils 1EV versetzt sind, ist sehr hilfreich — im Handbuch zu meiner D200 wird das mit keinem Wort erwähnt.

Gruß
Wolfgang

März
12
2009
06:56

Jan

Vielen Dank für diesen Beitrag! Ich bin seit kurzem am Überlegen, ob ich mir eine dSLR hole und suche nach Tutorials, um die Vorteile einer dSLR gegenüber Point&Shoot Kameras näher zu erfahren. Dieses Tutorial ist sehr aufschlussreich und bringt einen „Newbie“ sehr nahe an die Thematik. Ich hoffe es kommen noch weitere gute Tutorials! 🙂

Gruß
Jan

Oktober
29
2009
22:39

Manfred

Das Tutorial gefällt mir sehr gut.
Nur die Anzeige der Zonen Nummern im Artikel „Belichtung meistern Teil 6“ wird bei mir nicht angezeigt.
Ich habe es mit IE6, Firefox 3.51und Opera 9.64 probiert.
In jedem Browser sieht es anders aus, aber in keinem kann ich die Zahlen lesen.
Gruß
Manfred

Schreibe einen Kommentar!